Dieser berühmte Satz aus Dürrenmatts „Komödie“ Die Physiker umreißt eine der wichtigsten Problemfragen der modernen Gesellschaft. Forschung generiert Wissen und bringt Fortschritt, doch dieses Wissen kann zur Zerstörung der Welt beitragen. Dürrenmatt wirft die Frage auf, ob es deshalb in der Verantwortung der Wissenschaftler*innen liegt, ihren Forschungen Einhalt zu gebieten, gerade weil ihr erworbenes Wissen nicht rückgängig gemacht werden kann?

Deutschland gilt vor allem in den Naturwissenschaften als „Wissenschaftsstandort“. Auch am Helmholtz-Gymnasium werden die Schüler*innen hervorragend auf ein Studium der MINT Fächer vorbereitet. An den Universitäten werden die Student*innen die Möglichkeiten der modernen Technologie kennenlernen und versuchen deren Grenzen zu sprengen. Dass sie in ihrem Forschungsdrang nicht nur eine Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die gesamte Menschheit und die Natur übernehmen müssen, ist der zentrale Inhalt des Seminarkurses „Wissenschaft und Verantwortung“.

Die Schülerinnen und Schüler werden sich in diesem interdisziplinären Kurs mit aktuellen Problemlösungsversuchen der Natur-, Informations- und Ingenieurswissenschaften auseinandersetzen. Sie versuchen nachzuvollziehen wie diese Ansätze funktionieren. Wie kann der Mensch durch Wolkenimpfung das Wetter verändern und so dem Klimawandel entgegen wirken? Kann die Synthetische Biologie Leben aus dem Nichts erzeugen? Wie funktioniert ein mit Algen betriebener Bioreaktor?

Anschließend werden diese Erkenntnisse moralphilosophisch überprüft. Würde Immanuel Kant in ein autonomes Auto steigen? Was würde Friedrich Nietzsche zu Retortenbabys nach dem Baukastensystem sagen? Wenn Peter Singer sich eine vegane Gesellschaft wünscht, dürfen wir nach seiner Ansicht Fleisch im Reagenzglas züchten und anschließend verspeisen?

Letztendlich sollen die Schüler*innen einen kritischen Blick auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die moralphilosophischen Ansätze werfen und ein eigenes Urteil fällen. Auf den Punkt gebracht soll demnach erörtert werden: Was ist möglich und was ist wünschenswert?

Damit trägt der Seminarkurs dazu bei, dass die Schüler*innen sich sowohl natur- als auch geisteswissenschaftliche Methoden aneignen. Außerdem werden interdisziplinäre Denkweisen geschult. Ziel der Veranstaltung ist dabei keinesfalls eine Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit, sondern eine verantwortungsvolle Wissenschaftlergeneration, die auch dazu bereit ist eine „moralische Notbremse“ zu ziehen. Mehrere Kooperationen mit dem KIT, dem FZI und dem ITAS (Institut für Technikfolgenabschätzung) unterstützen die Schüler*innen bei ihren Forschungen und ermöglichen zugleich eine Begegnung mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Berufsfeldern.